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14. September 2006

Medienschau

Die Zukunft der Tageszeitung oder: Rettet den Brand!

Aus Anlass der heute beginnenden Jahrestagung des Verbands Schweizer Presse beschäftigt sich der «Tages-Anzeiger» in mehreren Artikeln mit der «Zukunft der Tageszeitung». Alle – mega konsequent – online nicht frei zugänglich. Deshalb hier nur dies:

Bewundernd stellt «Tagi»-Chefredaktor Peter Hartmeier fest, dass sich zum Beispiel «Spiegel online» auf dem Internet längst zu einer eigenständigen Marke entwickelt habe. Etwas, das «Tagesanzeiger.ch» bislang eindeutig nicht gelungen ist – oder wie oft hat man schon Sätze wie «… Dies berichtet <tagesanzeiger.ch>» gelesen? Aber wie sollte es auch, ist der «Tagi»-Online-Auftritt nach Hartmeiers eigener Aussage doch «eine aus Kostengründen mit kleinstem Budget hergestellte Nachrichten-Website». «Mut bedingt auch Investitionen», schreibt Hartmeier zwar weiter unten im Artikel. Dies bezieht sich aber offenbar nur auf die Regionalisierungsstrategie des gedruckten Blatts.

«Spiegel online» ist nun aber nicht einfach so zu einer Marke geworden, sondern eben auch durch Investitionen. «Über 80 Redakteure, Grafiker und Producer» arbeiten nämlich für die Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins. Solche Personalbestände übersteigen natürlich die Möglichkeiten selbst einer Tamedia.

Was tun? Nur mit aufbereiteten Agenturmeldungen wird man die Marke «Tages-Anzeiger» längerfristig kaum in die digitale Zukunft hinüberretten können. Denn das bieten auch «NZZ Online», «baz.ch», das Schweizer Fernsehen u.v.a.m. (s. dazu auch «Halt doch meist Cut & Paste»). Für die Printausgabe des «Tages-Anzeigers» arbeiten aber sicher weit mehr als 80 Personen. Und täglich produzieren diese Journalistinnen und Journalisten mit ihren Kommentaren und selbstrecherchierten Geschichten Inhalte, die niemandem sonst zur Verfügung stehen.

Auf diese «einzigartigen» Inhalte stösst man bei Google-Recherchen indes höchst selten. Kein Wunder, sind sie doch meist hinter Registrierungsschranken versteckt und damit paradoxerweise hauptsächlich für Surfer zugänglich, die die gedruckte Ausgabe des «Tages-Anzeigers» ohnehin bereits abonniert haben. Und verlinken lassen sich die Artikel schon gar nicht. Wie will man so neue Leserkreise erschliessen?

Es würde mich nicht wundern, wenn der vorliegende Medienspiegel-Eintrag bei einer Google-Suche nach "Zukunft der Tageszeitung" in einigen Tagen vor dem ersten «Tagi»-Treffer liegt. Der Medienspiegel hat einige hundert Leser, der «Tagi» mehr als eine halbe Million. Das müsste eigentlich zu denken geben.

Wenn man sich aus verständlichen Gründen schon keine grosse Online-Redaktion leisten kann, weshalb dann als Investition in die Zukunft wenigstens nicht alle Artikel aus der Printausgabe frei zugänglich machen? Selbst wenn dadurch einige Abonnements verloren gehen mögen, dürfte sich dies langfristig rechnen.

Update: Auch die Nachbarn von «Blattkritik.ch» haben sich mit dem «Tagi»-Special befasst.

Update, 1. Oktober 2006: «Wette» gewonnen!

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