He-he Herr Meyer!
Nichts weniger als einen «Epilog» hat Frank A. Meyer für den Jahresbericht 2005 (PDF, 256 KB) der Ringier AG verfassen dürfen. Geisseln tut er darin unter anderem die Copy-Paste-Mentalität der Journalistenzunft:
- «So entstehen heute News: durch Nachrichten, die schon vorformuliert sind, bevor der Journalist daraus seinen eigenen Bericht bastelt. So entstehen Storys: durch Geschichten, die schon ein anderer erzählt hat, bevor der Journalist daraus seinen eigenen Text zusammenschustert. [...] Die Kaste der Journalisten lebt vom <Copy> und <Paste>, sie kopiert sich fortwährend selbst, seit Jahren schon. Und wie es aussieht, auch in Zukunft.»
Der Ringier-Chefpublizist hält in seinem Epilog aber auch am traditionellen Rollenbild der Journalisten fest:
- «Und nur, was wir [Journalisten] zu beachten belieben, was unsere Aufmerksamkeit erregt, was wir reproduzieren in Bild, Ton und Schrift, nehmen die Menschen wahr, nur das existiert! [...] Wir Journalisten bestimmen die Wirklichkeit. Die von uns reproduzierte Wirklichkeit ersetzt die wirkliche Wirklichkeit. In der Wahrnehmung der Menschen, also in ihren Köpfen, schaffen wir die Welt. Gibt es grössere Macht?»
Hier könnte Herr Meyer zumindest mittelfristig irren. Denn sind zurzeit nicht gerade neue publizistische Formen am Entstehen, die das «Gatekeeper-Monopol» der traditionellen Journalistinnen und Journalisten allmählich untergraben könnten? Zum Beispiel auf dem Internet? Weblogs, Podcasts, Videocasts und so, in denen Bürgerinnen und Bürger wie Du und ich von «ihrer» Wirklichkeit berichten?
Oben kann schnell unten sein! Wie hat doch Mani Matter einst so treffend gesungen - oder zumindest fast:
- Der Hansjakobli und s Babettli,
hei mit'em Chuchi-Taburettli,
es Schpili zäme gschpiut, zum Göisse,
He-he [Herr] Meier het das gheisse.
[...]
Und grüeft «He-he Frou Meier, machet
doch nid so Krach» - do hei sy glachet.
Und [äs] isch obe gsy, [är] unde,
und s'Schpil het disewäg schtattgfunde.
Vo wäge grad so i däm Schpili,
wie z'grächtem Bischpil git es vili,
isch jede - doderfür wird gchrampfet,
gärn dä, wo oben'abe schtampfet.
Es isch nid jede wie ds Babettli,
so harmlos uf sim Taburettli,
drum lueget, das wi Hansjakobli,
gäng eine ungerufe doppli.
I wett fasch säge, d'Wält wär freier,
wenn meh würd grüft «He-he [Herr] Meier».
Bemerkungen
"...in denen Bürgerinnen und Bürger wie Du und ich von «ihrer» Wirklichkeit berichten?"
Eine Art von Nachblüte des Sozialistischen Realismus...
Nichts ist langweiliger als diese Wirklichkeit. Oder was soll am hemmungslosen Subjektivismus von (beispielsweise) Kindergärtnerinnen interessant sein?
Sie können solche Sätze nicht ernst meinen. Unmöglich.
Von: Gris-Gris am 10.04.06 23:26
Posted on 10.04.06 23:26
Immer diese armen Kindergärtnerinnen!
Doch, eigentlich meine ich das schon ein wenig ernst. Über die Qualität habe ich ja nichts ausgesagt. Aber zum Beispiel gerade im "hyperlokalen" Bereich - also etwa im Dorf oder im Quartier -, wo sich ein herkömmlicher Journalist kaum je hinzubewegen bemüht, kann doch auch eine Kindergärtnerin durchaus etwas Relevantes zu berichten haben.
Von: Martin am 11.04.06 10:22
Posted on 11.04.06 10:22
ja,es wird nirgends so viel copiert,wie bei den jurnalisten.die lassen sich von autoren inspirieren,profitieren von deren wortschöpfungen,und dann gehen sie her und sagen,es ist gang und gäbe dass man bei guten berichten auch etwas schlecht machen soll um glaubwürdiger zu sein.kritiker,sollten erst mal selber einwandfreie arbeit leisten und mit ihren halbwahrheiten die eigene familie beglücken.nicht aber das volk verarschen,und erst noch einkassieren.nicht verwunderlich,dass der internet dialog spannender und beliebter wird.ich kaufe keine zeitungen mehr.die tage werden dadurch länger und friedlicher,und der spass am leben ist wieder garantiert.jani remettre .
Von: jani remettre am 11.04.06 14:05
Posted on 11.04.06 14:05
aj lof medienspiegel.ch
wegen solchen artikeln.
genial! oder besser: DANKE!
/sms ;-)
Von: /sms ;-) am 15.04.06 16:56
Posted on 15.04.06 16:56
Wie lange noch kann und will sich Herr Ringier diesen Stiefellecker Frank A. Meyer leisten?!? Inkompetent, arrogant und ein verkappter [Begriff zensuriert durch Red. Medienspiegel] - Herr Ringier, was braucht es noch, bis Sie diese journalistische Entgleisung eliminieren? Was hat Herr Meyer gegen Sie in der Hand? Nur so kann erklärt werden, weshalb Sie die Primaballerina der Schweizer Medienwelt so sehr hätscheln. Frank A. Meyer ist zudem zutiefst feige: Aufgrund meiner Beiträge hat er den Blick- und SonntagsBlick-Blog schliessen lassen. Nur noch zensierte Beiträge sind genehm, wenn überhaupt. Damit befindet sich Franky-Boy in guter Gesellschaft mit der SP Schweiz, welche soeben ihren blog ebenfalls voll zensiert hat. Erbärmlich, wie sich die Edellinken in die Schmoll-Ecke zurückziehen. Demnächst mehr von Otte dem F(r)iesen.
Von: Otto der F(r)iese am 06.11.07 20:22
Posted on 06.11.07 20:22
Lieber Herr F(r)iese,
das mit dem "verkappten [Begriff inzwischen aus dem Kommentar gelöscht durch Red. Medienspiegel]" ist etwas gar heftig. Darf ich den entsprechenden Teil des Satzes löschen? Sonst muss leider der ganze Kommentar entfernt werden.
Von: Martin am 06.11.07 21:00
Posted on 06.11.07 21:00