1. September 2010

Medienschau

7. Radiosymposium: Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Veranstaltungshinweis:

    «Aufmerksamkeit ist das A und O im heutigen Journalismus. Nur wer Aufmerksamkeit erregt, wird wahrgenommen. Das gilt für Personen, welche die Medienöffentlichkeit suchen – aber auch für die Medien selbst. Denn Aufmerksamkeit bringt Quote – und ohne Quote kein Überleben in der Medienkonkurrenz.

    Der Kampf um die Aufmerksamkeit verändert den Journalismus. Er beeinflusst die Auswahl der Themen und prägt ihre Aufbereitung. Das wirkt sich auf die Meinungsbildung aus und auf das Funktionieren der Demokratie. Eine Entwicklung zum Guten oder Schlechten?
    Das 7. Radiosymposium von Schweizer Radio DRS macht den Kampf der Medien um Aufmerksamkeit und seine Folgen zum Thema – im Gespräch mit Wissenschaftlern, Medienpraktikern und Publikum.

    Der Anlass ist öffentlich und kostenlos. Weitere Informationen zum Anlass und Anmeldung unter radiosymposium.drs.ch. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt.»


30. August 2010

Medienschau

Chefwechsel in Basel und auf dem Boulevard

Markus Somm, yes the one of «Weltwoche»-Fame, wird Chefredaktor der «Basler Zeitung» – und zwar sofort! Der bisherige Chefredaktor, Matthias Geering, verlässt das Unternehmen – und zwar sofort!

Interessantes Detail: Die entsprechenden Berichte sind auf «Baz online» nicht kommentierbar. Fürchtet man sich am Ende vor den Reaktionen der Leserschaft?

***

Schon etwas länger zurück liegt eine weitere Personalie. Per Ende August hat Hannes Britschgi die Leitung des «SonntagsBlicks» an Ex-«Bild»-Mann Karsten Witzmann abgegeben. (Medienmitteilung). Britschgi wird aber nicht wie Geering einfach abserviert. Vielmehr erhält er den Titel «Publizist für Ringier Schweiz» ... und eine Suite im Berner Hotel Bellevue, wie Rainer Stadler in der «NZZ» vom 21.8.2010 (online nicht frei zugänglich) berichtete.

26. August 2010

Medienschau

Von Warenhausbotschafterinnen und «NZZaS»-Redaktorinnen

Aus dem «Klein Report»:

    «Fiona Hefti wird Botschafterin von Jelmoli
    [...] Den Kundinnen und Kunden von Jelmoli werde Fiona Hefti als Model und Moderatorin begegnen, heisst es in der Mitteilung der beiden vom Dienstag.»
Nach Stil-Redaktorin beim Qualitätsblatt «NZZ am Sonntag» und Waschmaschinenexpertin bei Schulthess nun also auch noch Detailhandelsfachfrau – und das alles in Personalunion, wohlverstanden!

Siehe dazu auch:
- Von Waschmaschinen und «NZZaS»-Redaktorinnen

Update: Der infame patpatpat meint seufzend: «O tempora, o mores!»

24. August 2010

Medienschau

Facts & Figures zum Medienwandel in der Schweiz

Studierende des Forschungsseminars «Medienwandel - Gesellschaftswandel» der Abteilung Medienwandel & Innovation des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Universität Zürich haben Statistiken zum Medienwandel in der Schweiz abgegrast und daraus den folgenden Videoclip produziert (mehr dazu hier):



20. August 2010

Sparschwein

Lousy pennies, indeed!

    «Most publishers know this, but few actually disclose their average revenue per [online] user. Media Norge [Schibsted's Norwegian publisher; «Aftenposten»] is a stand-out in that regard. Giving us a rare insight, it acknowledges average income per monthly unique visitor of two Norwegian krona (that's $0.32 or £0.21) is now less than it was back in 2006
Mehr auf «paidContent» (via @MrsBunz).

Update, 25. August 2010: Siehe dazu auch:
- (NZZ-)Online-User bringen nur Peanuts ein

18. August 2010

Sparschwein

Eine «Zwangsgebühr» für Schweizer Medienunternehmen?

Unter dem fordernden Titel «Verlage haben Anrecht auf besseren Schutz» wirft sich Norbert Neininger, Verleger der «Schaffhauser Nachrichten» und Mitglied des Präsidiums des Schweizer Verlegerverbands, in der Medienbeilage der «NZZ» für ein Leistungsschutzrecht (für Verlage?) ins Zeug:

    «Da das derzeitige Urheberrecht die neusten Entwicklungen nicht umfasst, muss ein sogenanntes Leistungsschutzrecht eingeführt werden, das sicherstellt, dass die Medienunternehmen ein exklusives Recht an ihren Inhalten auch im Internet haben und weder Artikel noch Auszüge daraus ungefragt (und entschädigungslos) verwendet werden dürfen.» [ungefragt zitiert]
Das ist alles noch etwas gar diffus.

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15. August 2010

Medienschau

Jahrbuch «Qualität der Medien»: Diskussionsbeitrag von Mitherausgeber Kurt Imhof

(Der folgende Beitrag wurde ursprünglich als Kommentar zum Eintrag «Jahrbuch 2010 zur Qualität der Schweizer Medien» verfasst. Zwecks Förderung der Debatte wird er hier noch einmal publiziert.)

Von Kurt Imhof

Die Schweiz hat eine grossartige publizistische Tradition in drei grossen Sprachregionen mit einer Geschichte hervorragender Zeitungen die mit ihrer journalistischen Qualität auch einst den Standard für ein gutes öffentliches Radio, später das öffentliche Fernsehen bildeten. Diese Tradition ausgezeichneten Journalismus ist in einer tiefen Krise.

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13. August 2010

Medienschau

Jahrbuch 2010 zur Qualität der Schweizer Medien

Heute Freitag ist die erste Ausgabe des Jahrbuchs «Qualität der Medien - Schweiz Suisse Svizzera», herausgegeben vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich, der Öffentlichkeit vorgestellt worden – mit einem «insgesamt ernüchternden Befund», wie es in der Medienmitteilung (PDF) heisst:

    «Im einstigen ‹Presseland Schweiz› verlieren die in publizistischer Hinsicht zentralen Abonnementszeitungen bezüglich Auflagen, Nutzung und Einnahmen deutlich an Terrain und die redaktionellen Ressourcen schwinden. Gleichzeitig hat die Gratiskultur mit den Onlinemedien und den Pendlerzeitungen auf Seiten der Konsumenten das Kostenbewusstsein für professionellen Journalismus zerstört. Dies unterminiert die Qualität der Informationsmedien, befördert den Konzentrationsprozess, schwächt das Berufsprestige und erhöht die Unzufriedenheit unter den Journalisten.»
Ganz im Sinne der «Gratiskultur» ist die Studie online frei zugänglich. Mein bisheriger Lieblingssatz (fett hervorgehoben):
    «Die Kaufpresse steckt in einer grundsätzlichen Finanzierungskrise und die Nutzung von Gratiszeitungen und Onlinemedien wird im Vergleich zu Presse, Radio und Fernsehen weiter zunehmen, da vor allem die jüngeren Alterskohorten zwischen 15 und 35 in einer qualitätsschwachen Gratiskultur sozialisiert wurden. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass in Zukunft die Bedeutung gerade derjenigen Typen und Gattungen weiter zunehmen wird, die bereits heute schon weniger zur Qualität beitragen [Hervorhebung M.H.].»
Um die Lektüre des Jahrbuchs wird man als «Watchblogger» wohl nicht herumkommen.

Update, 14. August 2010: Im Zusammenhang mit dem düsteren Befund des Jahrbuchs habe ich mich soeben wieder an Clay Shirkys Essay «Newspapers and Thinking the Unthinkable» erinnert, wo es u.a. heisst:

    «Round and round this goes, with the people committed to saving newspapers demanding to know ‹If the old model is broken, what will work in its place?› To which the answer is: Nothing. Nothing will work. There is no general model for newspapers to replace the one the internet just broke. [...]

    That is what real revolutions are like. The old stuff gets broken faster than the new stuff is put in its place [Hervorhebung M.H.]. [...] Agreements on all sides that core institutions must be protected are rendered meaningless by the very people doing the agreeing. (Luther and the Church both insisted, for years, that whatever else happened, no one was talking about a schism.) Ancient social bargains, once disrupted, can neither be mended nor quickly replaced, since any such bargain takes decades to solidify.

    And so it is today. When someone demands to know how we are going to replace newspapers, they are really demanding to be told that we are not living through a revolution. They are demanding to be told that old systems won't break before new systems are in place. They are demanding to be told that ancient social bargains aren't in peril, that core institutions will be spared, that new methods of spreading information will improve previous practice rather than upending it. They are demanding to be lied to. [...]

    Society doesn't need newspapers. What we need is journalism. For a century, the imperatives to strengthen journalism and to strengthen newspapers have been so tightly wound as to be indistinguishable. That's been a fine accident to have, but when that accident stops, as it is stopping before our eyes, we're going to need lots of other ways to strengthen journalism instead.

    When we shift our attention from ‹save newspapers› to ‹save society›, the imperative changes from ‹preserve the current institutions› to ‹do whatever works.› And what works today isn’t the same as what used to work.»

Update: Die Debatte geht hier weiter.

12. August 2010

Medienschau

Data-Journalism

Jonathan Stray auf «Nieman Journalism Lab»:

    «The Guardian takes data journalism seriously. They obtain, format, and publish journalistically interesting data sets on their Data Blog, they track transparency initiatives in their searchable index of world government data, and they do original research on data they’ve obtained, such as their amazing in-depth analysis of 90,000 leaked Afghanistan war documents. And they do most of this with simple, free tools.

    Data Blog editor Simon Rogers gave me an action-packed interview in The Guardian’s London newsroom, starting with story walkthroughs and ending with a philosophical discussion about the changing role of data in journalism. It's a must-watch if you’re wondering what the digitization of the world's facts means for a newsroom.»

Das (etwas überlange) Video-Interview (inkl. Transcript mit Links) gibt's hier.

9. August 2010

Sparschwein

Mehr Journi-Jobs?

    «In terms of jobs, journalistic occupations are outperforming the overall economy, according to Michael Mandel, former chief economist at BusinessWeek and founder of Visible Economy LLC. [...] Drawing from numbers based on the Current Population Survey, a monthly survey of roughly 60,000 households conducted by the Bureau of Labor Statistics and the Census Bureau, Mandel found the overall number of employed journalists increased by 19% from 2007-2010»,
schreibt Mark Briggs auf «Journalism 2.0».

Die neuen Jobs entstehen indes nicht im traditionellen Medienbereich:

    «Over a comparable time period, Mandel notes, employment in newspaper publishing has fallen 26%; periodical employment is down 16%; and radio and television broadcasting is down 11%. Journalists are getting jobs. Just not in the traditional industries or at the companies you would expect. [...]

    A shift in journalistic employment to nontraditional companies such as Yahoo and AOL, plus an increase in self-employed journalists has created surprising growth. [...]

    And those traditional news companies that are hiring? They aren’t looking for the same old thing any longer.»

Den ganzen Beitrag gibt's auf «Journalism 2.0».

4. August 2010

Medienschau

«News-Imagineering» oder: Wenn es nichts zu sagen gibt


The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
Wedding of the Decade of the Century of the Millennium
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorTea Party


1. August 2010

Medienschau

Nieder mit den sauren Gurken!

(Achtung, Achtung! Dies ist ein verkappter Aufruf zum 1. August. Er soll Abonnentinnen und Abonnenten ermutigen, von den Verlagen wegen erwiesener partieller Leistungsverweigerung ein angemessenes Sommerruhegeld zurückzuverlangen.)

von Fred David

In der Vorkühlschrankzeit nannte man den Hochsommer die Sauregurkenzeit, weil nur wenig auf dem Markt zu haben war, und was es gab, war meist stocksauer. Erst recht die Kunden. In der goldenen Ära Berlins als Zeitungsstadt, in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, standen «saure Gurken» in der nachrichtenarmen Zeit für Meldungen, die man sonst das Jahr über wegen Banalitätenverdacht nicht zu drucken wagte.

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Medienschau

KultiLeaks

KultiLeaks.png

Zuerst die etablierten Medien, dann das gemeine Volk?


Zur Vereinigung «Kunst + Politik», die «künstlerische Aktionen und Aktivitäten zu gesellschaftspolitischen Themen» initiieren und unterstützen und «die politische Auseinandersetzung unter Künstlerinnen und Künstlern sowie mit Politikerinnen und Politikern, Medien und der Öffentlichkeit» fördern will, siehe auch:
- Zur Lage der Nation («NZZ»)
- Ach, die Schweiz! («Tages-Anzeiger»)

29. Juli 2010

Medienschau

Lesestoff zu WikiLeaks und dem «Afghan War Diary»

Update, 4. August 2010:



28. Juli 2010

Medienschau

Online-Bashing

In einem «Digital salute to online journalism» schreibt «Washington Post»-Kolumnist Gene Weingarten unter dem Titel «Gene Weingarten column mentions Lady Gaga.»:

    «Not very long ago, the typical American newsroom had three types of jobs: reporter, editor and photographer. But lately, as newspapers have been frantically converting themselves into high-tech, 24-hour online operations, things are more complicated. Every few days at The Washington Post, staffers get a notice like this: ‹Please welcome Dylan Feldman-Suarez, who will be joining the fact-integration team as a multiplatform idea triage specialist, reporting to the deputy director of word-flow management and video branding strategy. Dylan comes to us from the social media utilization division of Sikorsky Helicopters.› [...]

    Everything is different today, and it's much more confusing. For one thing, there are no real deadlines anymore, because stories are constantly being updated for the Web. All stories are due now, and most of the constipated people are gone, replaced by multiplatform idea triage specialists. In this hectic environment, mistakes are more likely to be made, meaning that a story might identify Uzbekistan as ‹a subspecies of goat.›»

Die ganze Kolumne gibt's trotzdem auf «washingtonpost.com».

Etwas ernsthafter befasst sich «Post»-Ombudsmann Andrew Alexander mit der Materie («Post online strategy: Grow audience, and engagement»):

    «Often (not always), readers are coming for the offbeat or the unusual. They’re drawn by endearing animal videos or photo galleries of celebrities. And as my Sunday column [«Making the online customer king at The Post»] noted, The Post consciously uses this type of content to lure traffic - in part so that it can show potential advertisers that they would be reaching the largest possible audience. [...]

    In The Post's case, the intense pressure to boost online traffic and engagement has revealed, as my Sunday column noted, a newsroom divide between Web and print-oriented staffers. Some with an online focus believe that print veterans are too wedded to traditional journalistic standards and are too slow to embrace the more freewheeling Web. But print-oriented staffers fear that using gimmicks to attract online audience will cheapen The Post’s brand, thus damaging its journalistic reputation.»

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Mediensatz

Gebt Somm eine Chance

Von Rolf Hürzeler

Natürlich ist es billig, wenn die Basler Linke jetzt aufheult, weil der rechtsbürgerliche Markus Somm nun die Redaktion der «Basler Zeitung» führt. Der einfache Reflex gegen den politisch missliebigen «Weltwoche»-Mann ist etwas gar durchsichtig nach der Devise, das ist keiner von uns, also ist er dieser Aufgabe nicht gewachsen. Somm ist eine faire Chance zuzugestehen, diese Redaktion zu führen und das Beste aus dem Blatt zu machen.

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